Die bösen Hartz IV Aufstocker?

Die bösen Hartz IV Aufstocker? Danke Egon W. Kreutzer für diesen sehr ehrlichen Aufsatz!

14. Juni 2011

13.13 Uhr Zum Kotzen, dieser Tenor

Laut "Süddeutscher Zeitung" stocken immer mehr Selbständige ihre Einkünfte mit Hartz IV auf, aber

statt sich vor Entsetzen an den Kopf zu greifen,
statt aus dieser fatalen Entwicklung den Impuls für ein lautes, unüberhörbares politisches Signal zur Beendigung der wirtschafts-, sozial- und finanzpolitischen Irrfahrt der Republik zu beziehen,
wird ein weinerliches Gejammere um die Finanzierbarkeit des Sozialstaats daraus und der Verdacht gestreut, diese Selbständigen wollten mit ihrer Aufstockerei Sozialbetrug begehen, monatlich zwei-, dreihundert Euro abstauben ...
Da schreibt jemand, der von Hartz IV soweit weg ist, wie das Silberbesteck von der Pommes-Bude - und was herauskommt, kann eigentlich nur Blödsinn sein.
Wer Hartz IV will, muss alles offenlegen, was er noch hat, muss sich der Sozialbürokratie in einem unerträglichen Maße unterwerfen, so dass es weißgott viele Selbständige gibt, die sich lieber die faulenden Zähne aus dem Mund fallen lassen, statt sich in Hartz-IV zu begeben, um einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung zu erhalten, weil der längst nicht ausreichen würde, um die Prämie zu bezahlen, wodurch zwar eine Zahnbehandlung ermöglicht würde, zugleich aber der Schuldenberg weiter wüchse ...

oWer als Selbständiger freiwillig in die Rolle des Hartz-Sklaven schlüpft, der ist nicht derjenige, der den Staat betrügt, es ist derjenige, der den Staat entlastet, weil er wenigstens ein bisschen seines Einkommens noch selbst erarbeiten will,

obwohl er mit geringerer Mühe, mit geringerem bürokratischen Argwohn und mit weniger böswilligen Verdächtigungen, Sozialschmarotzer zu sein, auch auf den vollen Hartz-IV-Satz kommen könnte.

Das ist Drecks- und Kampagnenjournalismus,

aus 100.000 Selbständigen, die neben ihrem Einkommen aus der selbständigen Arbeit noch Hartz-IV in Anspruch nehmen müssen, eine Gefahr für den Sozialstaat zusammenzuschreiben. Auch dann, wenn man sich dabei auf Überlegungen von Mitarbeitern der Bundesanstalt für Arbeit bezieht.

Pfui!

Der Spiegel über den Bericht der Süddeutschen

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0%2C1518%2C768262%2C00.html

Quelle und mit freundlichem Dank für die Erlaubnis der Veröffentlichung: www.egon-w-kreutzer.de