Geld und Selbstbeschränkung

Geld und Selbstbeschränkung

Ein Aufsatz von Matthias Dilthey

16.02.2011

Wozu brauchen wir Geld?

Oberflächlich betrachtet lautet die Antwort „um einkaufen zu können“.

Denn „Einkaufen“ bedeutet eine Tätigkeit zur Beschaffung von Waren/Produkten gegen Geld.1

Jede andere Beschaffungsart von Waren/Produkten ist z.B. Tausch, Schenkung, Erbschaft, Diebstahl oder Entnahme aus der Natur.

Eine andere mögliche Antwort könnte lauten, dass Geld im praktischen Gebrauch ein Zwischentauschmittel ist, das sich von anderen Tauschmitteln dadurch unterscheidet, dass es nicht unmittelbar den Bedarf eines Tauschpartners befriedigt, sondern auf Grund allgemeiner Akzeptanz zu weiterem Tausch eingesetzt werden kann.2

Geld hat Zahlungsmittelfunktion, ist Wertaufbewahrungsmittel, Wertmaßstab und Recheneinheit, lehrt uns die gängige Volkswirtschaftslehre.

Dass allerdings Geld überhaupt notwendig ist, wurde und wird von einigen namhaften Ökonomen, Staatstheoretikern und Philosophen bestritten.3 Ein Teil dieser Querdenker sehen die Lösung unserer derzeitigen ökonomischen, sozialen und ökologischen Krise in einer geldfreien Neuauflage des Kommunismus. Zwar gehen alle, also auch diejenigen, die Geldfreiheit ohne Kommunismus propagieren, von einer notwendigen Umorientierung und einer unabdingbaren Änderung des Sozialverhalten der Menschen aus. Doch wie sollen diese Umorientierungen und Änderungen überhaupt aussehen?

Fremd- und Selbstbeschränkung?

Die moderne Volkswirtschaftslehre übersieht völlig, dass Geld neben den vier oben4 aufgeführten Funktionen für die Mehrzahl der Menschen zusätzlich noch die Eigenschaft der Fremd- und Selbstbeschränkung hat.

Wobei die Fremdbeschränkung die Menschen und Arbeitskräfte an die Bedingung der globalisierten Märkte und den Verwertungsinteressen der Kapitalmärkte anpassen soll.

Ob die Konzepte zur finanziellen Fremdbeschränkung z.B. „Lohnverzicht“ oder „Agenda 2010“ heißen, stets sind sie darauf ausgerichtet, den Menschen dem Markt anzupassen und die Kosten des Sozialen bis an die Grenze des Erträglichen zu reduzieren, ohne dabei allerdings das Prinzip des Sozialstaates grundsätzlich in Frage zu stellen.5

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Fußnoten:

1Im Gegensatz zum Verkauf; das heißt zur Veräußerung von Ware gegen Geld; siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Einkauf_(Konsum) [11.02.2012]

3Z.B. Franz Barwich, Wilhelm Weitling, Pierre Ramus, Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Prof. Franz Hörmann

4Erster Absatz, letzter Satz: Zahlungsmittelfunktion, Wertaufbewahrungsmittel, Wertmaßstab und Recheneinheit

5Vergl. dazu Dilthey, Matthias (2008), „Demokratie, Freiheit, Auskommen und der emanzipatorische Sozialstaat“ http://dilthey-matthias.de/dokumente/dokumente/Demokratie_Auskommen_Emanz_Sozialstaat.pdf [12.02.2011]

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