Von der Präimplantationsdiagnostik und vom Elementar-Recht des Menschen

Bei manchen Bürgern, seien sie nun Politiker, Kirchenvertreter oder nicht, ist die Stimmung ähnlich wie nach dem 18.01.1951. Damals war der Film „Die Sünderin“ uraufgeführt worden. Die moralische Empörung war gewaltig. Deutschland – ein einziges Sodom und Gomorra!

Und als ginge es um die Abwendung erneuten Unheils, hat kürzlich ein leibhaftiger hessischer Rechtsanwalt, Schwerpunkt u. a. Menschenrechte, öffentlich zum Gebet aufgerufen. Fest steht: Mittels der Bundesrechtsanwaltsgebührenordnung wird Stefan Kirchner (1) seinen Aufwand niemand berechnen können.

Der Berufsphilosoph und Soziologe, der Starnberger Emeritus Jürgen Habermas sieht sich – wohl in der Ordnung und Deutung der beobachtbaren Dinge leicht verwirrt - im Münchner Haus des OPUS DEI [sic] genötigt im schönsten Soziologendeutsch zu behaupten, dass „die Reziprozitätsbedingungen der kommunikativen Verständigung“ (2) verletzt würden und sieht daher einen Widerspruch zum „Demokratieprinzip gegenseitiger Anerkennung“.

Bereits 2006 hatte der engagierte Berliner Gynäkologe Dr. Matthias Bloechle eine Selbstanzeige erstattet, die ihn bis zum Bundesgerichtshof (3) führen sollte – mit Erfolg.

Zu guter Letzt warf jüngst der ehemalige Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche, Wolfgang Huber in der Talkshow „hart aber fair“ (4) dem Mediziner Bloechle den Begriff „unwertes Leben“ an den Kopf, der dies als „infam“ zurückwies.

Nicht wenige benutzen gegenüber ihren Meinungs- und Weltanschauungsgegnern den „unbestimmten Rechtsbegriff“ (BVerfGE 30, 25) „Menschenwürde“ wie eine substanzlose Keule.

Und um was geht es? Weder droht der Weltuntergang, noch die Verletzung des „Demokratieprinzips“. Auch soll nicht der menschenverachtende NS-Begriff „unwertes Leben“ wiederbelebt werden.

Es geht um die voraussichtlich in der ersten Juliwoche im Bundestag anstehende Abstimmung über Gesetzesentwürfe zum gleichen Thema: Entweder eine beschränkte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) oder deren Verbot.

Man kann es auch zutreffender formulieren: Es geht um die vom Menschen erkannte Selbst-Bestimmtheit, die ihn auch – als Mitglied einer Gemeinschaft von Seinesgleichen – seine Elementar-Rechte und -Pflichten haben erkennen lassen.

Trotzdem hat der kritische Beobachter den Eindruck, als ob nicht wenige Männer dazu neigen, sogenannte – wie sie sagen - „Frauenrechte“ als geringwertig zu betrachten, obwohl doch die Frauen nur die Hälfte der Menschheit repräsentierten, hingegen die Männer…

Es begann 1989/90

Die Frage nach der Menschenwürde des noch ungeborenen, unfertigen Menschen ist schon so lange Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen innerhalb verschiedener Gruppen der Gesellschaft, wie es den Begriff „Menschenwürde“ gibt. Seit etwa Mitte 1990, nachdem die ersten Kinder, die Zwillinge Danielle und Natalie, mit Hilfe britischer Forschungen (5) zur Präimplantationsdiagnostik (PID), in Verbindung mit einer vorhergehenden In-Vitro-Fertilisation (IVF), gesund das Licht der Welt erblickten, haben sich diese Auseinandersetzungen nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 06.07.2010 noch verstärkt. Die Meinungen zur Befruchtung einer Eizelle außerhalb des Körpers der Frau einerseits und andererseits der genetischen Bewertung und damit einer möglichen Auslese der so befruchteten Eizellen vor deren Einsetzen in die Gebärmutter, schwanken zwischen emphatischer Zustimmung und heftiger Ablehnung oder religiöser Verdammung.

Dabei ist der Sachverhalt doch überschaubar: Man muss nur die Elementar-Rechte und Elementar-Pflichten der werdenden Mutter und des Vaters genauer betrachten und diese in eine Beziehung zu dem im Mutterleib noch heranwachsenden, unfertigen Menschen setzen. Zu beachten ist weiter ein bestimmtes Elementar-Recht, das allen Menschen als Mitglieder einer Spezies zukommt.

Metaphysische, bloße Ideen

Keine Chance auf Einigung hat eine streitige Diskussion zum Thema stets dann, wenn metaphysische, bloße Ideen als „Argumente“ gegen eine PDI und IVF eingebracht werden, wie beispielsweise ein „göttlicher Wille“, ein „göttlicher Auftrag“, ein „dem Herrgott nicht ins Handwerk Pfuschen dürfen“ oder eine „Gottesebenbildlichkeit“. Nicht hilfreich ist ebenso der Hinweis auf den Begriff „Menschenwürde“ aus Artikel 1 Grundgesetz und der internationalen Menschenrechtsregeln, da dieser Begriff - wie auch das Bundesverfassungsgericht zu Recht festgestellt hat und jedermann selbst feststellen kann - ein unbestimmter Rechtsbegriff ist. Die Ursache: Es fehlt an einer Gesetzesbestimmten Menschenwürde, die Richtschnur für die anstehenden Fragen sein könnte

Auch wird die Diskussion nicht dadurch gefördert, wenn man sich auf „die“ Ethik beruft. Das Wort „Ethik“ ist – nicht nur in diesem Zusammenhang - ein leerer und daher beliebiger Begriff, wenn dessen Inhalt nicht auf beobachtbaren und damit nachvollziehbaren Fakten beruht. Wenn der Begriffsinhalt „Ethik“ die höchsten Werte der Spezies Mensch zum Gegenstand haben soll, dann können nur allgemein von der Menschengemeinschaft erkannte Regeln zum Schutze der eigenen Spezies jene Normen erzeugen, deren Beachtung man als „ethisches“ Verhalten bezeichnet kann. Der Artikel 1 des Grundgesetzes und die internationalen Menschenrechtsregeln erfüllen diese Forderung nicht.

Höchste Werte

Wie (vom Autor) schon an anderer Stelle dargelegt und begründet, kann nichts und niemand dem Menschen jenes Höchste rauben, was man unter dem Begriff „Menschenwürde“ zusammenfassen kann und soll, weil dies die Spezies „Mensch“ mittels ihres wesentlichen kennzeichnenden Merkmals, der Erkenntnisfähigkeit, als ihre „höchsten Werte“ erkannt hat: Die Selbst-Bestimmtheit und Selbst-Verantwortung und die damit erkannten Elementar-Freiheiten, einschließlich der darauf gründenden Elementar-Rechte und -Pflichten des Menschen (6).

Die so verstandene Menschenwürde kann nur verletzt, nicht verliehen oder genommen werden. Somit versetzt auch eine Schwangerschaft keine Frau in den Zustand verminderter Menschenwürde, sondern nur in den Zustand besonderer Verantwortung, nämlich für sich und den noch ungeborenen, unfertigen Menschen. Es erwächst ihr aber auch der unbedingte Anspruch auf Schutz und Fürsorge gegenüber dem Samenspender, dem Vater, und der Menschengemeinschaft. Niemand, nicht der Vater des werdenden Menschen, noch eine organisierte Menschengemeinschaft – im Allgemeinen Staat genannt -, darf die Menschenwürde der schwangeren Frau verletzen oder über diese zu bestimmen versuchen. Beiden, dem Vater und dem Staat, kommt, aus der Verantwortung gegenüber ihrer eigenen Spezies und damit auch der Menschengemeinschaft insgesamt, die elementare Pflicht zu, den Schutz der werdenden Mutter zu gewährleisten.

Körperliche Einheit

Auch der ungeborene und damit unfertige Mensch hat allein auf Grund seiner Existenz elementare Rechte – es sind jene der schwangeren Frau, denn: Der noch ungeborene und damit unfertige Mensch ist unstreitig körperlicher Teil der Mutter. Anderes zu behaupten hieße, die beobachtbaren Tatsachen zu bestreiten mit der Folge, dass die schwangere Frau als eine Art „lebender Brutkasten“ betrachtet werden dürfte. Das ist eine Frau sicherlich nicht.

Stirbt ein noch ungeborenes Kind – aus welchen Gründen und in welchem Stadium seiner Entwicklung auch immer -, dann kann die von diesem Leid getroffene Mutter zu Recht behaupten, dass ein Teil von ihr gestorben sei.

Das Erkennen der biologische Tatsache, dass eine Schwangere und der in ihrer Gebärmutter heranwachsende, sich entwickelnde Mensch eine Einheit sind, lässt sich auch im Strafgesetzbuch ablesen: Die Tötung einer schwangeren Frau ist kein Doppelmord, auch dann nicht, wenn es dem Täter ausdrücklich nur auf die Ermordung des Ungeborenen ankam. Auch erhält die Redewendung vom „auf die Welt kommen“ einen klaren Sinn: Das Ungeborene ist noch nicht selbstständiger Teil der auf der Welt lebenden und beobachtbaren Menschengemeinschaft und kann so nicht Träger von Rechten und Pflichten und somit auch nicht selbstständiges Rechtssubjekt sein.

Die schwangere Frau bestimmt über ihren Körper

Die Schranken für notwendige Entscheidungen innerhalb des Verhältnisses zwischen der schwangeren Frau und dem ungeborenen und noch unfertigen Menschen, werden durch ihre Selbst-Bestimmtheit und ihre liebende Fürsorge für die Interessen des ungeborenen Kindes gesetzt, denn es sind ihre eigenen Interessen, weil es ihre eigene, ganze Körperlichkeit betrifft.

So entscheidet die schwangere Frau auch allein aus ihrer Selbst-Bestimmtheit über ihre ganze physische Körperlichkeit, wenn es um Tod oder Leben, Gesundheit oder Krankheit für sie selbst und in Abwägung gegenüber dem noch ungeborenen Menschen geht.

Keine werdende Mutter muss ihr Leben oder ihre Gesundheit für den noch ungeborenen Menschen opfern, wenn sich aus einer zukünftigen oder bestehenden Schwangerschaft eine über das unvermeidbare Risiko hinausgehende Gefährdung für ihre Gesundheit oder gar ihr Leben ergeben könnte oder konkret ergibt.

Die ungeminderte Selbst-Bestimmtheit einer schwangeren Frau hat auch zur Folge, dass diese niemals in die Rolle einer Mutterschaft gezwungen werden darf, auch dann nicht, wenn durch Gewalt bereits eine Schwangerschaft eingetreten ist.

Diese Auffassung ist nicht neu: Nichts anderes besagt letztlich beispielsweise das Urteil des US Supreme Court, des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten von Amerika im Fall Jane Roe versus Wade (7) vom 22.01.1973: Die schwangere Frau bestimmt über ihren Körper und somit verstößt der dem entgegenstehende Artikel der texanischen Verfassung gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten.

Die Selbst-Bestimmtheit von Frau und Mann

Aus ihrer Selbst-Bestimmtheit bestimmen Mann und Frau auch über die Fragen der Verantwortung für Same und Eizelle, auch im Zusammenhang mit den Fragen zur Befruchtung einer Eizelle außerhalb des Körpers, der IVF und der sich daraus ergebenden Möglichkeit beispielsweise der genetischen Bewertung, der PID und über Fragen zur Möglichkeit der Aussortierung von befruchteten Eizellen, damit nur die als „gesund“ bewerteten in die Gebärmutter eingepflanzt werden.

Vor dem Einsetzen einer befruchteten Eizelle, ist es allein das elementare Recht der Frau zu bestimmen, ob sie eine mögliche Krankheit oder Behinderung aus einem mittels der PID an der Eizelle erkannten genetischen Defekt, als schwerwiegend und unzumutbar oder als nicht schwerwiegend betrachtet. Dies zu entscheiden ist auch nicht Sache eines Gesetzgebers oder gar eines Gerichts.

Der menschliche Same und die unbefruchtete Eizelle ist stets Eigentum des jeweiligen Mannes und der jeweiligen Frau. Eine außerhalb der Frau befruchtete Eizelle bleibt - bis zu einer erfolgreichen Nidation, der Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter - im gemeinsamen Eigentum und der letztendlichen gemeinsamen Verantwortung jener, die Same und Eizelle zur Verfügung gestellt haben.

Der Staat, also die organisierte Menschengemeinschaft, hat an Eizelle und Same kein Recht, da jeder Mensch auf Grund seiner Selbst-Bestimmtheit allein über seine ganze physische Körperlichkeit und damit auch über seine Sexualität verfügt und bestimmt (8). Wäre es anders, dann läge der beispielsweise durch Masturbation „verlorene“ Same und die durch den weibliche Zyklus abgestoßene, „verlorene“ Eizelle im Zugriff von Gesetzen. Ein wohl unsinniger Gedanke.

Abschluss des Zeugungsvorganges

Es wird hier weiter die Auffassung vertreten, dass der Zeugungsvorgang zu einem neuen Menschen erst dann abgeschlossen ist, wenn die befruchtete Eizelle zum Zwecke der Einnistung auf natürlichem Wege in die Gebärmutter gelangt oder dorthin durch einen Eingriff gebracht worden ist und sich dort auch tatsächlich in der Schleimhaut eingenistet hat, denn: Erst durch die lebendige Verbindung zwischen Mutter und der befruchteten Eizelle kann ein neues menschliches Leben wirklich beginnen und dies ist zugleich auch der Beginn einer Schwangerschaft. Diesem neuen, noch heranwachsenden, unfertigen Menschen kommt von Anfang an Menschenwürde zu und zwar die der schwangeren Frau, deren körperlicher Teil er bis zur Geburt unzweifelhaft ist.

Für eine schwangere Frau sind die verschiedenen Fachbezeichnungen, welche die Medizin für die unterschiedlichen Entwicklungsstadien des in ihrem Körper sich entwickelnden Menschen kreiert hat, ohne Bedeutung. Sie lebt in einer wechselnden Stimmung von Freude und Sorge um und für ihr Kind.

Der für die Zeugung mitbestimmende Vorgang der Nidation belegt die tragende Rolle der schwangeren Frau als unersetzbare Lebensspenderin und –erhalterin der Spezies Homo sapiens. Diese Rolle betont auch den Anspruch der schwangeren Frau auf besonderen Schutz durch den Vater des heranreifenden Kindes und durch die organisierte Menschengemeinschaft, wie der Menschengemeinschaft insgesamt.

Elementare Rechtsgüter

Wenn auch die bloße Befruchtung einer Eizelle, ohne eine erfolgreiche Einnistung in die Gebärmutter, für diese keine Menschenwürde erzeugt, so bedeutet das nicht, dass eine befruchtete Eizelle zu jeder jetzt und zukünftig denkbaren Manipulation und Verwendung zur Verfügung steht. Dies würde dem unverzichtbaren Grundsatz widersprechen, dass ein Mensch vom Menschen nie so behandelt werden darf, als sei er Objekt, was auch Teile seines Körpers mit einschließt.

Alle Arten von Manipulationen an Same, Eizelle oder an einer befruchteten Eizelle oder an einem im Mutterleib heranwachsenden Menschen, die nicht der Geburt eines gesundes, auch frei von genetischen Anormalitäten oder Krankheiten freien Kindes dienen, verletzen folgende elementare Rechtsgüter:

1. Jeder Mensch hat das Elementar-Recht auf Schutz des unveränderten Fortbestands seiner Spezies, frei von durch den Menschen verändernden Eingriffen.

2. Jede Frau und jeder Mann hat die elementare Pflicht dafür Sorge zu tragen, dass ihre Eizelle oder sein Same keiner Verletzung des Elementar-Rechts aus Ziff. 1. dient.

3. Das elementare Bestimmungsrecht der Spender von Same und Eizelle über ihre ganze Körperlichkeit wird verletzt, wenn

3.1 Manipulationen an Same und/oder Eizelle oder einer befruchteten Eizelle, ohne ausdrückliches Einverständnis der Spender vorgenommen werden;

3.2 Manipulationen an Same, Eizelle oder befruchteter Eizelle Ziff. 1. verletzen.

4. Das elementare Bestimmungsrecht der schwangeren Frau über ihre ganze Körperlichkeit wird verletzt, wenn

4.1 Manipulationen an ihrem noch ungeborenen Kind ohne ihr ausdrückliches Einverständnis vorgenommen werden.

Von Schranken des Forschens und des praktischen Handelns

Die Schranken für die Forschung an Same, Eizelle, befruchteter Eizelle und dem ungeborenen Menschen, sowie für die praktische Anwendung ihrer Forschungsergebnisse, müssen in Gesetzen klar beschrieben werden und dürfen den oben genannten Ziff. 1. bis 4. nicht entgegenstehen.

Vom „Missbrauch“

Wenn auch in der öffentlichen Diskussion zum hier behandelten Thema und selbst im Embryonenschutzgesetz (ESchG) der Begriff „Missbrauch“ häufig Verwendung findet, so muss dazu festgestellt werden, dass kein Mensch und auch kein Teil von diesem „gebraucht“ werden und damit auch nicht „missbraucht“ werden kann, vielmehr nur Elementar-Rechte des Menschen verletzt werden können. Dies vorausschickend, soll - nur der Vereinfachung halber – trotzdem im Folgenden von „Missbrauch“ die Rede sein.

Nur eine gesetzlich klar bestimmte Form des Missbrauchs - betrifft es nun Same, Eizelle, befruchtete Eizelle oder einen ungeborenen Menschen - kann Gegenstand von Gesetzen sein, soweit diese in demokratischen Verfahren entstanden sind und soweit der Missbrauch eine Verletzung von Elementar-Rechten Einzelner oder der Menschengemeinschaft insgesamt darstellt.

Die zuvor in Ziff. 1. bis 4. beschriebenen elementaren Rechtsgüter haben Folgen: Verletzt werden die Elementar-Rechte von Frau und Mann immer dann, wenn das Ziel eines Handelns oder auch nur eine Möglichkeit daraus ist, Änderungen von Erbanlagen eines lebenden oder eines noch zu zeugenden oder noch ungeborenen Menschen oder an einem seiner Körperteile herbeizuführen, mit dem Ziel, ein menschenähnliches, wie beispielsweise ein Zwitterwesen, zu schaffen.

Auch Versuche und Manipulationen an befruchteten Eizellen, die beispielsweise die Schaffung eines körperlich „leistungsfähigeren“ oder eines mental „fähigeren“ Menschen oder zweier oder mehrerer identischen Menschen (Klone) zum Ziel haben oder eine Leibesfrucht oder ein zu gebärendes Kind zum Ziel haben, damit dieses als „biologischer Ersatzteil- oder Zelllieferant“ zur Verfügung steht, sind verwerflich.

Verwerflich ist auch eine Vorauslese der befruchteten Eizellen nach dem möglichen Geschlecht des späteren Kindes, weil dadurch - um nur einen Aspekt des Missbrauchs zu nennen - Gewalt, gleich welcher Art und Umfang, auf die Mutter ausgeübt werden könnte, nur Mädchen oder nur Jungen auszutragen.

Same, Eizellen und außerhalb der Frau befruchtete Eizellen, die nicht in deren Gebärmutter eingesetzt werden sollen, müssen im Auftrag der Eizellenspenderin und des Samenspenders vernichtet werden um deren Missbrauch zu verhindern. Hiergegen gibt es keinen sinnvollen Einwand. Eine Vernichtung findet ja beispielsweise auch dann statt, wenn auf natürliche oder künstliche Weise befruchtete Eizellen sich nicht oder nicht auf Dauer in der Gebärmutter einnisten.

Es war nicht die Absicht der vorstehenden Ausführungen jeden denkbaren Missbrauch menschlichen Forschens und Handelns zum Schaden der Spezies Mensch zu beschreiben. Es soll aber noch ergänzt werden: Kein Handeln des Menschen soll geduldet werden, das einen „verbesserten“ und/oder „neuen“ Menschen zum Ziel hat oder solche Ziele unterstützt. Dies ist auch dann nicht zu dulden, wenn vordergründig die Bekämpfung einer Krankheit behauptet wird, denn: Es ist das Elementar-Recht jedes Menschen und damit der Menschengemeinschaft insgesamt, dass vom Menschen selbst nicht in die weitere evolutionäre Entwicklung der eigenen Spezies eingegriffen wird.

Wünschenswert: Präimplantationsdiagnostik

Nicht verwerflich, vielmehr wünschenswert ist es - soweit dies der Samenspender und die Eizellenspenderin ausdrücklich wollen - die PID im Zusammenwirken mit einer IVF in Anspruch zu nehmen, also eine genetische Auslese von außerhalb des weiblichen Körpers befruchteten Eizellen nach genetisch mangelhaften und nicht mangelhaften, nach kranken und gesunden vorzunehmen, damit so die Geburt von Kindern verhindert wird, die auf Grund von genetischen Mängeln oder von Krankheiten nur ein kurzes oder leidvolles Leben zu erwarten hätten. Dies, wo immer auch möglich, zu verhindern, gebietet auch die Mitleidsfähigkeit des Menschen gegenüber Mitgliedern der eigenen Spezies. Die PID kann die Zahl der Abtreibungen und Spätabtreibungen, wenn auch nicht gänzlich verhindern, jedoch erheblich mindern.

Aber – es ist nicht nur die Fähigkeit des Menschen zum Mitleiden, sondern auch die daraus erwachsende Pflicht, ein vermeidbares, großes Leiden eines Kindes und seiner Eltern vermeiden zu wollen. Und genau dies ermöglicht die Präimplantationsdiagnostik.

Über Regeln und Liebe

Vorstehendes ist von dem Gedanken bestimmt, dass in einer Menschengemeinschaft allgemein gültige Regeln wesentliche und auch sehr elementare Fragen zum menschlichen Handeln bestimmen sollen. Eines jedoch kann von Regeln nicht erfasst werden: Die Liebe zwischen Mann und Frau und deren Vertrauen zueinander, gepaart mit einer unbedingten Verlässlichkeit und liebender Fürsorge. Ein solches Paar bietet auch ein Lebensumfeld, wie es für die gedeihliche Entwicklung eines Kindes unerlässlich ist.

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Anmerkungen und Quellen:

(1) kath.net 28.06.2011, „Rechtsanwalt ruft zum Gebet wegen PID-Abstimmung auf“

(2) OPUS DIE, 11.03.2011, Bernd Kreuels „Katholiken und Habermas warnen vor PID“

(3) BGH-Urteil vom 06.07.2010 – 5 StR 386/09 und Pressemitteilung des BGH 137/2010. Kernaussage: Die Präimplantationsdiagnostik zur Entdeckung schwerer genetischer Schäden des extrakorporal erzeugten Embryos ist nicht strafbar. Es wurde festgestellt, dass die Anwendung der PID im dort vorliegenden Falle (nach extrakorporaler Befruchtung beabsichtigte Präimplantationsdiagnostik mittels Blastozystenbiopsie und anschließender Untersuchung der entnommenen pluripotenten Trophoblastzellen auf schwere genetischen Schäden) § 1 und § 2 Abs. 1 ESchG (Embryonenschutzgesetz) nicht verletzt.

Zur Verdeutlichung: Der BGH hat nicht die PID „erlaubt“ – dies könnte nur der Gesetzgeber -, sondern letztlich nur festgestellt, dass die Merkmale der PID nicht Gegenstand des ESchG sind und somit dieses auch nicht durch die PID verletzt werden kann.

(4) ARD 29.06.2011, 22:00 Uhr „hart aber fair“ mit dem Thema „Vom Kinderwunsch zum Kind nach Wunsch – ist nur gesundes Leben lebenswert?“

(5) Der britische Embryologe Prof. Alan H. Handyside (et. al) erwähnte bereits 1992 erstmals die erfolgreiche Anwendung einer Präimplantationsdiagnostik (PID), englisch „preimplantation genetic diagnosis“ (PGD); da das Kürzel PID im Englischen schon im Bereich der Medizin belegt war, wählte man an dessen Stelle „PGD“. Quelle: Krause, Joachim, 08393 Schönberg, 19.07.2000 bis 27.10.2010, „Fakten, Meinungen, Bewertungen zu Gentechnik, Genetik...usw.“, 503 Seiten.

(6) Bert Steffens „ZEIT DER AUFKLÄRUNG ZWEITER TEIL“, Bd. 1 „Vom Prinzip der Menschenwürde“, VIII. Kapitel „Katalog der Elementar-Freiheiten - Ein Paradigmenwechsel“.

(7) Jane Roe versus Wade (22.01.1973, 410 U. S. 113), US Supreme Court; der Name „Jane Roe“ war zum Schutze der Klägerin Norma McCorvey gewählt worden, die gegen den Staats Texas geklagt hatte, weil dessen Verfassung ihr eine Abtreibung verbot. Vertreten wurde Texas durch den Staatsanwalt Henry Wade. Der Supreme Court stellte mit Urteil vom 22.01.1973 im Wesentlichen fest, dass die Gesetzgebung von Texas gegen die 14. Zusatzklausel (Amentment „Du Process Clause“) der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika verstieße, schränkte aber ein, dass die Bundesstaaten ab der 12. Schwangerschaftswoche Abtreibungsregeln erlassen könnten, spätestens jedoch für jenen Zeitpunkt einer Schwangerschaft, in der der Entwicklungsgrad des ungeborenen Kindes auch ein Weiterleben außerhalb des Mutterleibes ermöglichen würde.

(8) Bert Steffens „ZEIT DER AUFKLÄRUNG ZWEITER TEIL“, Bd. 1 „Vom Prinzip der Menschenwürde“, VIII. Kapitel, Abschnitt „Die sechs Elementar-Freiheiten: Elementar-Rechte, umfassend, schlicht“, dort: Katalog der Elementar-Freiheiten, Ziff. 1.3.

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