Erlebniswelt Hartz IV

Erlebniswelt Hartz IV

Ein abenteuerlicher Reiseroman in die Armut

von Dagmar J. Sall

Martina sitzt am Fenster ihrer kleinen 1 ½ Zimmerwohnung und schaut auf die graue, menschenleere Straße. Es ist noch früh am Morgen und sie weiß nicht so recht was sie machen sollen. Schlafen geht nicht, ins Internet geht auch nicht denn, der Strom wurde abgestellt. Anrufen kann sie auch niemanden,

Erlebniswelt Hartz IV

Ein abenteuerlicher Reiseroman in die Armut

von Dagmar J. Sall

Martina sitzt am Fenster ihrer kleinen 1 ½ Zimmerwohnung und schaut auf die graue, menschenleere Straße. Es ist noch früh am Morgen und sie weiß nicht so recht was sie machen sollen. Schlafen geht nicht, ins Internet geht auch nicht denn, der Strom wurde abgestellt. Anrufen kann sie auch niemanden, erstens wäre es noch zu früh und zweitens hat sie auch kein Geld für Telefonate mit dem Prepaid-Handy. Die Telefonseelsorge könnte sie anrufen, doch was sollte sie denen erzählen, was sie nicht schon wüssten. Die können ihr auch nicht helfen, nicht so helfen wie es nötig wäre, um wieder ein einigermaßen intaktes Leben führen zu können.

 So schaut sie hinunter auf die Straße, eine Straße in der sie sich nicht zu Hause fühlt. Doch wen interessiert es? Wie die Welt sich doch verändert hat, wie die Menschen, die Politik das Umfeld – einfach alles sich verändert haben. Dabei ist sie noch gar nicht so alt. Wer ist heute schon alt mit 50 Jahren? Für die Jungen ist man alt, für viele Arbeitgeber ist man zu alt und für die Politiker zu jung um, nicht zu arbeiten.

Urquell aller Lebensfreude „Es lebe ein Leben für die Arbeit.

 Arbeit, das ist es worüber sie nachdenkt. Alles scheint sich nur noch über Arbeit in der heutigen Zeit zu definieren. Auch Martina wurde schon früh im Elternhaus, Kindergarten und später der Schule klargemacht, wie wichtig eine gute Arbeitsstelle für die Zukunft sei. Ihr wurde allerdings auch beigebracht, dass es für Mädchen nicht so wichtig sei zuviel zu lernen. Für ein Mädchen sei es wichtiger, gute hausfrauliche und mütterliche Qualitäten zu haben. Denn schließlich heiratet man einmal einen Mann, der gut verdient und der dann die Familie versorgen würde. Im Gegenzug dazu hat die gute Ehefrau, eine gute, fleißige, ehrliche saubere, korrekte und anständige Hausfrau und Mutter zu sein. Mädchen wie Martina mussten also beides lernen, lernen dass sie sehr wohl gut in der Schule sein sollen, nur nicht zu gut und vor allem nicht besser als die Jungen. Denn Jungen mögen es nicht wenn die Mädchen klüger sind als sie. Man brachte vielen Mädchen damals noch bei, möglichst keine schlauen Reden zu führen und sich später gegenüber Männern mit dem eigenen Wissen bedeckt zu halten.

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