Unruhige Zeiten 2014 - Wir wollen Frieden

Unruhige Zeiten sind es in denen wir leben. Froh sollte man sein wenn Frieden gehalten werden würde. Doch viele Köpfe scheinen eben diesen Friedensgedanken nicht mehr in eben diesen ihren Kopf zu bekommen.

Also schaffen sie Unruhe was das Zeug hält. Unruhe bis hin zu Kriegsgeruch iegt schon länger in der Luft und irgendwie scheinen es sogar einige zu genießen. Und wieder andere schüren diese negativen Strömungen auch noch. Sie überbieten sich darin, mit und in ihren täglichen, heute sogar schon sekündlichen, (wahren?) Nachrichten. Ohne die Einsicht der Gefahr, was sie damit unter Umständen, nicht nur sich selber sondern darüber hinaus, Gesellschaften und somit Menschen tatsächlich antun.

Unruhige Zeiten kommen ja häufig nur durch die unstillbare Gier einiger weniger Menschen, die andere mit sich in diese Gier reißen. Die diese anderen zwingen ihre Gier zu teilen, in dem sie nichts anderes mehr im Kopf haben als Wirtschaftswachstum. Umbau von Marktwirtschaft, besonders in dem sie immer neue Dinge erfinden um den Konsum, der den Wirtschaftswachstum vorantreiben und beschleunigen soll, mit krankhaften, unsinnigen Entwicklungen und Gesetzen erzwingen.

 

Ein solcher wahnhafter Zwang hatte uns ja bereits zum Beispiel die gerade Salatgurke, per EU-Gesetzgebung, gebracht. Ist schon klar, es gehen mehr gerade Gurken in einen Karton. Und auch der Umwelt- und Klimaschutz muss herhalten. Die alte Glühbirne wurde verboten und stattdessen haben wir sie jetzt, die Energiesparleuchte, die mit Quecksilber bestückt alles andere als ein Gewinn für die Umwelt ist.

 

Strom sollen wir sparen. Aber immer neue Elektronik die man oft gar nicht benötigt, und die natürlich dazu führt, dass wir immer mehr Strom benötigen, soll zum Einen umweltschonend und zum Anderen Wirtschaftswachstum beschleunigend sein.

 

Wen wunderte es da noch, wenn so ein alter Archivar sich zurückerinnert an ein Buch, ein Buch das sich unter anderem in der Einleitung mit einem alten Märchen (frei nach Gebrüder Grimm) befasst? Ein Buch, in dem es aber insgesamt um den zweiten Weltkrieg geht und das im eigentlichen dem Studium der damaligen Zeit und den gefallen Soldaten des zweiten Weltkrieges gewidmet ist.

 

Zur Einleitung seines Buches schreibt der Autor Kurt Assmann Vizeadmiral a. D. im Juni 1950:
 
Das Buch beginnt mit einem deutschen Märchen, „Von dem Fischer und syner Fru“, frei nach Gebrüder Grimm. Weshalb ich diese eigenartige Form der Einführung gewählt habe, möchte ich vorweg nicht verraten. Abgeschlossen im Juni 1950 Kurt Assmann

 


Genau dieses Märchen aus dem Buch Deutsche Schicksalsjahre stelle ich hier jetzt einmal ein. Später, im Laufe der Zeit werde ich sicher immer mal wieder auf einzelne Stellen des Buches zurückkommen. Vielleicht haben sich bis dahin auch schon einige mit diesem historischen Werk beschäftigt. Schaden kann Bildung, in dem man Bücher liest, auch oder besonders historische Bücher jedenfalls nicht. Im Gegenteil, es hilft oft die Gedanken mal wieder klar zu bekommen und zu erkennen, von was und wem wir uns zur Zeit, und vor allem mit welcher minimalen Intelligenz, hinführen lassen. Menschen die uns Bildung predigen und bei denen man oft genau nach eben dieser Bildung verzweifelt sucht, ohne zu einem positiven Ergebnis zu gelangen. Das sind sie die Kinder von einst, vor denen uns, unsere Eltern besser hätten warnen sollen?

Es ist mehr als nur schlimm, wenn Politik von Menschen zum Selbstzweck getätigt wird. Besonders wenn diese Personen, dieses Aufgabengebiet der Politik, für das eigene Macht und Wohlbefinden benötigen. Zum Beispiel, weil man unbedingt der/die Kanzler sein muss und meint, unbedingt, gut laufende Systeme nach den eigenen Vorstellungen, dem eigenen Ego zur Liebe, umgestalten zu müssen. Oder auch weil man es unbedingt, für das eigene Ego benötigt, die mächtigste Frau der Welt sein zu wollen und dann vor Kraft nicht mehr laufen kann.

Mit dem logischen Denken hapert es in solchen Fällen dann oft sowieso schon.

Der Verfasser des Buches konnte unsere heutigen Zeiten, und deren Entwicklungen nicht kennen. Denn genau dieses Märchen passt auch, oder ganz besonders in die heutige Zeit. Einer Zeit, in der bis ins Unermessliche von einigen Wenigen auf der Welt mit Macht und Geld, zum Schaden vieler Menschen und der gesamten restlichen Welt, geprozt wird.

 


Und ein Land, dass sich einst stolz auf seine Dichter und Denker bezog und heute nur noch Wirtschaftswachstum, dessen Beschleunigung und Export, Export, Export hervorzubringen scheint, gibt damit an obwohl rechts und links die Menschen immer mehr, in nicht notwendige Notsituationen geraten?

Armutsbeschleunigungs-Gesetz unter Agenda 2010 und den Menschen abwertenden Hartz-IV-Gesetzgebung, darauf ist man auch noch stolz?

Wie war das noch? Da sagte mal einer „Ich will hier rein, ich will Bundeskanzler werden“, und ich, ich, ich und nochmals ich – „habe es aus eigner Kraft von ganz unten nach ganz oben geschafft“. Und ja, er, er und nochmals er – hat es auch geschafft, dass heute den Menschen der Weg, wenigstens etwas nach oben, versperrt ist. Versperrt durch ihn, der vor Überheblichkeit bis heute strotz und das Ganze auch noch für ein gesundes Selbstbewusstsein hält. Der es braucht, dass man ihn feiert und zu ihm aufsieht. Der sogar noch sagt genau das stünde ihm zu? Und was steht den anderen Menschen zu?

 War das auch ein schlechtes Märchen so wie das was jetzt folgt:

Zitat Anfang:

Ein deutsches Märchen

Es war einmal ein Fischer; der lebte mit seiner Frau in einer armseligen Höhle nahe bei einem großen See. Alle Tage ging er im Morgengrauen zum Seeufer und warf seine Angel aus, aber der Fische in dem See waren nur wenige, und was er fing, reichte kaum hin, um notdürftig das Leben zu fristen. So verstrichen die Monate und Jahre ohne Freude und Hoffnung.

 

Als er an einem schönen Sommertag wieder am Wasser saß und trübselig auf seine Angelrute blickte, gab es einen gewaltigen Ruck, und als er einholte, zog er einen großen Fisch aus dem See, desgleichen er nie zuvor gesehen hatte. Doch seine Freude war nur kurz. Zu seinem großen Schrecken richtete der Fisch sich plötzlich auf und fing an zu sprechen. „Bitte laß mich schwimmen.“ Dem guten Fischer ward recht unheimlich zu Mut. „Du brauchst deswegen nicht so viele Worte zu Machen“, sagte er zu dem Fisch, „mit einem Fisch, der sprechen kann, will ich nichts zu tun haben; schwimm nur fort, so schnell du kannst.“ Damit setzte er ihn wieder ins Wasser, und der Fisch stieß pfeilschnell auf den Grund und ließ eine lange Blutspur hinter sich.

 

Für diesen Tag hatte der Mann genug vom Fischen, ging nach Hause in die Höhle und erzählte seiner Frau, was ihm begegnet war. „Hast du dir denn nichts von dem Fisch gewünscht, ehe du ihn freiließest?“ fragte die Frau. „Nein“, antwortete der Mann, „was hätte ich mir wünschen sollen?“ „Ach“, meinte die Frau, wir leben so kümmerlich hier in der hässlichen stinkenden Höhle; geh zurück und sag dem Fisch, dass wir eine kleine Hütte haben wollen.“

 

Dem Fischer war nicht wohl bei der Sache, aber seine Frau war ein Dickkopf, und es war immer misslich, ihr zu widersprechen. So ging er denn. Als er zum See zurückkam, stand die Sonne hoch am Himmel. Das Wasser erglänze in lieblichem Grün und ein leichter Wind kräuselte die Fläche. Es war alles so schön und friedlich, dass er wieder Mut schöpfte. Zuerst verzagt, dann immer herzhafter rief er über den See:

 

„Manntje, Manntje, Timpe Te,

Buttje, Buttje in de See,

myne Fru de Ilsebill

will nich so as ik wol will.“

 

Sogleich kam der Fisch auf ihn zugeschwommen und fragte: „Was will sie denn?“ „Ach“, antwortete der Fischer, „meine Frau sagt, ich hätte mir etwas von dir wünschen sollen, eh ich dich freiließ. Sieh, wir leben in einer so jämmerlichen Höhle; meine Frau will nicht mehr dort wohnen, sondern möchte eine kleine Hütte.“ „Geh nur nach Hause“, sagte der Fisch, „sie ist schon in der Hütte.“ Als der Mann nach Hause kam, sah er seine Frau an der Tür eines hübschen kleinen Häuschens stehen.  „Komm herein, sagte sie,  „ist es hier nicht viel besser als in unserer hässlichen Höhle?“ Da war eine Stube und eine Schlafkammer und eine Küche, und hinter der Hütte war ein kleiner Garten mit Blumen und Obstbäumen und ein Hof voller Hühner und Enten. „Ach“, sagte der Fischer, wie glücklich werden wir hier sein!“ – „Wir wollen es wenigstens versuchen“, meinte seine Frau.

 


Als aber einige Wochen ins Land gegangen waren, sagte Frau Ilsebill: „Mann, unsere Hütte ist zu eng, und auch der Garten und der Hof sind viel zu klein. Ich möchte in einem großen steinernen Schloß wohnen, also geh wieder zum Fisch und sag ihm, er soll uns ein Schloß schenken“ „Frau“, antwortete der Fischer, „ich mag nicht wieder zu ihm gehen, wir sollten uns mit der Hütte zufrieden geben.“ „Unsinn“, versetzte die Frau, „er wird es sehr gern tun; geh nur hin und versuch's.“

 

Der Mann ging schweren Herzens. Es war ein heißer Tag, einige Wolken standen am Himmel, und als der Fischer an den See kam, zogen sie sich zusammen als ob ein Gewitter braute. Das Wasser sah blau und düster aus, obwohl es ganz still war, und er trat ans Ufer und rief:

 

„Manntje, Manntje, Timpe Te,

Buttje, Buttje in de See,

myne Fru de Ilsebill

will nich so as ik wol will.“

 

„Na, was will sie denn nun?“, fragte der Fisch. „Ach“, sagte der Mann ganz traurig, „jetzt will meine Frau in einem steinernen Schloß wohnen.“ – „geh nur nach Hause“, sagte der Fisch, „sie steht schon am Tor.“ So wandte sich der Fischer zum Gehen, und ein frischer Wind sprang auf und zerteilte die Wolken, und die Sonne brach durch. Das gefiel dem Fischer, denn er nahm es als günstiges Vorzeichen.

 

Als er nach Hause kam, sah er seine Frau vor einem großen Schloß stehen. „Schau“, sagte sie, „ist das nicht großartig“, und sie gingen zusammen hinein und fanden drinnen eine Menge, Bedienter, und die Zimmer waren alle reich ausgestattet und voll von goldenen Stühlen und Tischen; und hinter dem Schloß war ein großer Garten, und eine halbe Meile lang erstreckte sich ein Wald, in dem es von Schafen und Ziegen und Hasen und Rehen wimmelte, und im Hof waren Ställe für Pferde und Kühe. „Wohlan“, sage der Mann, nun wollen wir zufrieden und glücklich in diesem schönen Schloß leben bis an das Ende unserer Tage. - „Vielleicht werden wir das tun“, antwortete die Frau, aber wir wollen’s bedenken und beschlafen, ehe wir uns entschließen.“

 

Nur wenige Tage waren vergangen, da erwachte Frau Ilsebill eines Morgens, stieß den Fischer mit dem Ellbogen in die Seite und sagte: „Steh auf, Mann, eile dich, denn wir müssen König über das Land werden.“ _ „Frau, Frau“, fragte der Mann, „warum sollten wir König sein? Ich will keine König sein.“ „Doch ich will“, versetzte Ilsebill. „Aber Frau“, antwortete der Fischer, „wie kannst du König sein? Der Fisch kann dich nicht zum König machen. Außerdem wird der Fisch böse werden, wenn ich schon wieder komme, und dann werden wir vielleicht alles verlieren, was er uns geschenkt hat.“ „Mann“, rief sie,  „kein Wort weiter, sondern geh hin und versuch’s. Ich will König sein.“

 


 

So machte sich der Mann denn auf den Weg. Es war ein trüber regnerischer Tag, und tief hängende Wolken bedeckten die Berge. Die Bäume standen düster gegen das Grau des Himmels. Der See war spiegelglatt und sah wie flüssiges Blei aus. Das jenseitige Ufer war von Nebelschwaden verhüllt. Die ganze Natur schien dumpf und verdrossen; es paßte gut zu der Stimmung des Fischers, der wider seinem Willen dem Verlangen seiner Frau nachgegeben hatte.

 

Und wieder rief er über das Wasser:

 

„Manntje, Manntje, Timpe Te,

Buttje, Buttje in de See,

myne Fru de Ilsebill

will nich so as ik wol will.“

 

„Na, was will sie denn nun?“, frage der Fisch. „Ach“, antwortete der Mann, „meine Frau will König sein.“ „Geh nur nach Hause“, sage der Fisch, „sie ist schon König.“

 

Darauf ging der Fischer nach Hause; und als er in der Nähe des Palastes kam, erblickte er einen Trupp Soldaten und hörte den Klang von Trommeln und Trompeten; und als er eintrat, sah er seine Frau auf einem hohen Thron von eitel Gold und Diamanten sitzen mit einer großen goldenen Krone auf dem Haupt; und zu beiden Seiten von ihr standen sechs sehr schöne Mädchen, die eine immer einen Kopf größer als die andere. Und vor ihr standen Prinzen, Herzöge und Grafen. Da ging der Fischer auf sie zu und fragte: Frau, bist du nun König?“ – „Ja“, anwortete sie, jetzt bin ich König.“ Und nachdem er sie lange betrachtet hatte, sagte er: „Ach Frau, wie schön ist es, König zu sein! Nun werden wir nie mehr etwas zu wünschen haben.“ – „Vielleicht hast du recht“, antwortete sie, „doch ‘nie mehr’ ist eine sehr lange Zeit.“

 

Sehr bald ward Frau Ilsebill es müde, König zu sein. „Mann“, sage sie, „warum sollen wir beim König aufhören? Fortan will ich Papst sein.“ „Oh Frau, du bist verrückt“, antwortete er, „wie kannst Du Papsst sein? Es gibt nur einen Papst auf Erden in der Christenheit; der Fisch kann dich nicht zum Papst machen. Er wird wütend werden, wenn ich ihm das sage.“ — „Was für ein Unsinn“, fuhr sie auf, „du bist immer feige. Habe ich nicht immer recht behalten? Habe ich nicht immer meinen Willen durchgesetzt? Wenn der Fisch einen König machen kann, kann er auch einen Papst machen. Geh nur hin und versuch es mit ihm. Noch heute will ich Papst sein und die Völker lehren, was sie glauben sollen.“

 

Der Fischer brach also auf, aber unterwegs murmelte er: „Das kann kein gutes Ende nehmen; das ist zu viel verlangt; der Fisch wird die ganze Sache satt kriegen, und wir werden unser Betragen zu bereuen haben.“ Es war ein glühend heißer Sommertag, und die Luft war schwül. Über den Bergen drohte ein schwarzer Himmel; ein riesige Wand von Gewitterwolken waren aufgezogen, und in der Ferne zuckten Blitze. Auf der anderen Seite des Sees, nach dem flachen Lande zu, leuchtete das Firmament in grellem Gelb.


 

Als der Fischer zum Ufer kam, fegten die ersten Windstöße als Vorboten des nahenden Sturms über dass Wasser. Die Farbe des Sees war beinahe schwarz und stach scharf von dem Weiß der Wogen ab, die der Sturmwind aufgepeitscht hatte. Wenn auch zitternd vor Angst, trat der Mann doch ans Ufer und rief:

 

„Manntje, Manntje, Timpe Te,

Buttje, Buttje in de See,

myne Fru de Ilsebill

will nich so as ik wol will.“

 

„Was will sie denn nun?“ fragte der Fisch. „Ach“, sage der Fischer, „meine Frau will jetzt Papst werden.“ „Geh nur nach Hause“, antwortete der Fisch, „sie ist schon Papst“

 

Dem Fischer fiel ein Stein vom Herzen und er glaubte kaum, seinen Ohren trauen zu dürfen. Als er nach Hause kam, sah er seine Frau auf dem Thron sitzen, der war zwei Meilen hoch. Sie hatte drei große Kronen auf dem Haupt und war umgeben von dem ganzen Prunk und der ganzen Macht der Kirche; zu beiden Seiten von ihr standen zwei Reihen brennender Kerzen in allen Größen; die gewaltigste war so groß wie der höchste Turm der Weilt, die kleinste nicht länger als ein Nachtlicht. „Frau“, sage der Fischer, als er all die Pracht bestaunt hatte, „bist du Papst?“ „Ja“, antwortete die Frau, „jetzt bin ich Papst.“ „Nun Frau“, versetze er, „es ist ein groß Ding, Papst zu sein; und nun musst Du zufrieden sein, denn du kannst nichts größeres mehr werden.“ Sie aber wurde nachdenklich und sagte: „Ich will es mir überlegen.“

 

Von Tag zu Tag wurde sie nachdenklicher. Es kam so weit, dass sie nachts nicht schlfen konnte vor lauter Überlegen, was sie nun noch werden könnte. Als sie wieder einmal nicht schlafen konnte, und der Mond auf ihr Bett schien, wurde sie zornig ­— nicht wegen seines Scheins, sondern weil er ohne ihre Erlaubnis aufgegangen war. Als sie man nächsten Morgen am helllichten Tag aufwachte, schien die Sonne in ihr Gemach. Wieder wurde sie zornig — nicht wegen ihres Scheins, sondern weil sie ohne ihre Erlaubnis aufgegangen war. Und plötzlich wurde ihr klar, was sie nunmehr werden wollte. „Mann“, sagte sie, „geh zum Fisch und sage ihm, dass ich sein will wie Gott selbst.“ — Der Fischer war noch halb im Schlaf, aber der Gedanke erschreckte in so, dass er auffuhr und aus dem Bett fiel. „Ach Frau“, sagte er, „kannst du nicht zufrieden damit sein, dass du Papst bist?“ „Nein“, sagte sie, „ich bin sehr geplagt und kann es nicht mehr aushalten, dass Sonne und Mond ohne meine Erlaubnis aufgehen. Geh sofort zum Fisch. „ Doch der Fischer weigerte sich. Er widersetzte sich verbissen, und der Streit dauerte viele Stunden. Schließlich wurde er des Zankes münde und gab nach.


 

Inzwischen hatte sich der Himmel verfinstert, ein schweres Gewitter zog auf, und die Nacht war hereingebrochen. Trotzdem machte er sich auf den Weg.

 

Als er den Palast verließ, schlug ihm Platzregen ins Gesicht. Der Sturm umheulte die Hallen und Dächer. Unablässig dröhnte der Donner, und unablässig flammten die Blitze und verwandelten die Nacht in Tag. Ein Unwetter, wie er es noch nie erlebt hatte fuhr einher. Im Walde konnte er sich kaum gegen die herabstürzenden Zweige schützen; dicke Baumstämme, die der Orkan entwurzelt hatte, fielen um und versperrten ihm den Weg. Als er an den Stand kam, brodelte der See wie kochendes Wasser. Bergeshohe schwarze Wogen, von weißschäumendem Gischt gekörnt, rasten heran. Der Fischer war in Todesangst und schlotterte in den Knien und trat dennoch ans Ufer; keuchend und so laut er konnte schrie er in den wütenden Sturm hinein:

 

„Manntje, Manntje, Timpe Te,

Buttje, Buttje in de See,

myne Fru de Ilsebill

will nich so as ik wol will.“

 

Diesmal schwamm ihm der Fisch nicht entgegen. Aber aus der Ferne, von der Mitte des Sees her, rief eine Stimme: „Was will sie nun?“ — „Ach“, sagte der Fischer, „sie will sein wie Gott selbst.“ —

 

Kaum hatte er das letzte Wort gesprochen, da erdröhnte ein furchtbarer Donnerschlag; die Erde zitterte unter den Füßen. Ein feuriger Blitzstrahl traf die Eiche, unter der er stand, und spaltete sie von oben bis unten. Er kam mit knapper Not mit dem Leben davon, als die Baumkrone herabstürzte. Aus der Tiefe des Sees erklang eine fürchterliche Stimme, die all das Strumesbrausen übertönte: „Geh nach Hause, du Elender, zu dem Ort, wo einmal dein Palast stand, und sieh ob du dein Weib dort wieder findest.“

 

Schreckerfüllt und von Gewissenbissen gequält, blutend aus manchen Wunden, machte sich der Fischer auf den Heimweg. Der Sturm hatte sich gelegt doch nur mit Mühe konnte sich der Mann nach Hause schleppen. An der Stelle, wo einst sein stolzer Palast gewesen war, hatte sich die Erde aufgetan und das Bauwerk verschlungen. Einige Überreste, die stehen geblieben waren, hatten Feuer gefangen und waren jetzt nur noch rauchende Ruinen am Rade des Abgrunds. Entsetzt entfloh der Fischer in das Dunkel des Waldes. Als er anfing, seine Frau zu suchen, fand er sie naß bis auf die Haut und bewusstlos vor dem Eingang der Höhe, die ihre Wohnstatt gewesen war, ehe er den Fisch getroffen hatte. Es währte geraume Zeit, bis er sie ins Leben zurückrufen konnte, und dann krochen sie wieder in die armselige Höhe, von der aus sie ihren wundersamen Aufstieg begonnen hatten. Alles, was sie gewonnen hatten, war in Nichts zerronnen weil sie sich niemals mit dem Erlangten zufrieden geben konnten. Und jetzt war alles noch schlimmer als zuvor. Inzwischen war ein Teil der Höhle eingestürzt, und von ihren wenigen Habseligkeiten waren einige verschwunden, andere zerstört. Von dem Fisch, der ein verwunschener Prinz war, kam nie wieder Kunde. Wie früher ging der Fischer jeden Tag zum See und warf die Angel aus. Doch er hatte kein Glück; es schien, als seien die Fische so gut wie ausgestorben. Seine Fänge wurden von Tag zu Tag geringer, und somit lebten er und seine Frau in ihrer elenden Höhle in immer steigender Not.

 

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute dort.

Zitat Ende

Quelle:

Deutsche Schicksalsjahre
Kurt Assmann
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