Unruhige Zeiten 2014 - Wir wollen Frieden - Der König der nicht reichte

 

Als der Fischer zum Ufer kam, fegten die ersten Windstöße als Vorboten des nahenden Sturms über dass Wasser. Die Farbe des Sees war beinahe schwarz und stach scharf von dem Weiß der Wogen ab, die der Sturmwind aufgepeitscht hatte. Wenn auch zitternd vor Angst, trat der Mann doch ans Ufer und rief:

 

„Manntje, Manntje, Timpe Te,

Buttje, Buttje in de See,

myne Fru de Ilsebill

will nich so as ik wol will.“

 

„Was will sie denn nun?“ fragte der Fisch. „Ach“, sage der Fischer, „meine Frau will jetzt Papst werden.“ „Geh nur nach Hause“, antwortete der Fisch, „sie ist schon Papst“

 

Dem Fischer fiel ein Stein vom Herzen und er glaubte kaum, seinen Ohren trauen zu dürfen. Als er nach Hause kam, sah er seine Frau auf dem Thron sitzen, der war zwei Meilen hoch. Sie hatte drei große Kronen auf dem Haupt und war umgeben von dem ganzen Prunk und der ganzen Macht der Kirche; zu beiden Seiten von ihr standen zwei Reihen brennender Kerzen in allen Größen; die gewaltigste war so groß wie der höchste Turm der Weilt, die kleinste nicht länger als ein Nachtlicht. „Frau“, sage der Fischer, als er all die Pracht bestaunt hatte, „bist du Papst?“ „Ja“, antwortete die Frau, „jetzt bin ich Papst.“ „Nun Frau“, versetze er, „es ist ein groß Ding, Papst zu sein; und nun musst Du zufrieden sein, denn du kannst nichts größeres mehr werden.“ Sie aber wurde nachdenklich und sagte: „Ich will es mir überlegen.“

 

Von Tag zu Tag wurde sie nachdenklicher. Es kam so weit, dass sie nachts nicht schlfen konnte vor lauter Überlegen, was sie nun noch werden könnte. Als sie wieder einmal nicht schlafen konnte, und der Mond auf ihr Bett schien, wurde sie zornig ­— nicht wegen seines Scheins, sondern weil er ohne ihre Erlaubnis aufgegangen war. Als sie man nächsten Morgen am helllichten Tag aufwachte, schien die Sonne in ihr Gemach. Wieder wurde sie zornig — nicht wegen ihres Scheins, sondern weil sie ohne ihre Erlaubnis aufgegangen war. Und plötzlich wurde ihr klar, was sie nunmehr werden wollte. „Mann“, sagte sie, „geh zum Fisch und sage ihm, dass ich sein will wie Gott selbst.“ — Der Fischer war noch halb im Schlaf, aber der Gedanke erschreckte in so, dass er auffuhr und aus dem Bett fiel. „Ach Frau“, sagte er, „kannst du nicht zufrieden damit sein, dass du Papst bist?“ „Nein“, sagte sie, „ich bin sehr geplagt und kann es nicht mehr aushalten, dass Sonne und Mond ohne meine Erlaubnis aufgehen. Geh sofort zum Fisch. „ Doch der Fischer weigerte sich. Er widersetzte sich verbissen, und der Streit dauerte viele Stunden. Schließlich wurde er des Zankes münde und gab nach.

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