Unruhige Zeiten 2014 - Wir wollen Frieden - Weitere wenige Tage -

 

So machte sich der Mann denn auf den Weg. Es war ein trüber regnerischer Tag, und tief hängende Wolken bedeckten die Berge. Die Bäume standen düster gegen das Grau des Himmels. Der See war spiegelglatt und sah wie flüssiges Blei aus. Das jenseitige Ufer war von Nebelschwaden verhüllt. Die ganze Natur schien dumpf und verdrossen; es paßte gut zu der Stimmung des Fischers, der wider seinem Willen dem Verlangen seiner Frau nachgegeben hatte.

 

Und wieder rief er über das Wasser:

 

„Manntje, Manntje, Timpe Te,

Buttje, Buttje in de See,

myne Fru de Ilsebill

will nich so as ik wol will.“

 

„Na, was will sie denn nun?“, frage der Fisch. „Ach“, antwortete der Mann, „meine Frau will König sein.“ „Geh nur nach Hause“, sage der Fisch, „sie ist schon König.“

 

Darauf ging der Fischer nach Hause; und als er in der Nähe des Palastes kam, erblickte er einen Trupp Soldaten und hörte den Klang von Trommeln und Trompeten; und als er eintrat, sah er seine Frau auf einem hohen Thron von eitel Gold und Diamanten sitzen mit einer großen goldenen Krone auf dem Haupt; und zu beiden Seiten von ihr standen sechs sehr schöne Mädchen, die eine immer einen Kopf größer als die andere. Und vor ihr standen Prinzen, Herzöge und Grafen. Da ging der Fischer auf sie zu und fragte: Frau, bist du nun König?“ – „Ja“, anwortete sie, jetzt bin ich König.“ Und nachdem er sie lange betrachtet hatte, sagte er: „Ach Frau, wie schön ist es, König zu sein! Nun werden wir nie mehr etwas zu wünschen haben.“ – „Vielleicht hast du recht“, antwortete sie, „doch ‘nie mehr’ ist eine sehr lange Zeit.“

 

Sehr bald ward Frau Ilsebill es müde, König zu sein. „Mann“, sage sie, „warum sollen wir beim König aufhören? Fortan will ich Papst sein.“ „Oh Frau, du bist verrückt“, antwortete er, „wie kannst Du Papsst sein? Es gibt nur einen Papst auf Erden in der Christenheit; der Fisch kann dich nicht zum Papst machen. Er wird wütend werden, wenn ich ihm das sage.“ — „Was für ein Unsinn“, fuhr sie auf, „du bist immer feige. Habe ich nicht immer recht behalten? Habe ich nicht immer meinen Willen durchgesetzt? Wenn der Fisch einen König machen kann, kann er auch einen Papst machen. Geh nur hin und versuch es mit ihm. Noch heute will ich Papst sein und die Völker lehren, was sie glauben sollen.“

 

Der Fischer brach also auf, aber unterwegs murmelte er: „Das kann kein gutes Ende nehmen; das ist zu viel verlangt; der Fisch wird die ganze Sache satt kriegen, und wir werden unser Betragen zu bereuen haben.“ Es war ein glühend heißer Sommertag, und die Luft war schwül. Über den Bergen drohte ein schwarzer Himmel; ein riesige Wand von Gewitterwolken waren aufgezogen, und in der Ferne zuckten Blitze. Auf der anderen Seite des Sees, nach dem flachen Lande zu, leuchtete das Firmament in grellem Gelb.

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