Von zufriedenen Sklaven und deren Anbetung der Narren

Bert Steffens
Freier Philosoph
Andernach

 

Wäre das Wetter bestellt gewesen, gebührte dem Besteller ein Lob – es hätte für das öffentliche Spektakel des 02.07.2011 nicht besser sein können.

Alle Geladenen waren gekommen, insbesondere jene, die kraft Geburt oder Vermögen, mit oder ohne Adelsprädikaten, im Wahn ihrer Herrenmenschenidee leben, Herren oder Herrinnen über Mitglieder ihrer Spezies zu sein. Sie waren in großer Anzahl aus aller Welt angereist und ganz offensichtlich ausstaffiert zu dem Zwecke, die Ideen von „Modeschöpfern“ vorzuführen, die von Kunden leben, bei denen Geld und manchmal auch guter Geschmack keine Rolle spielt.

Nein, nackt waren sie gewiss nicht – wenn man sich auch unwillkürlich an des „Kaisers neue Kleider“ erinnert fühlte, denn ihr Gehabe zeigte, dass sie, trotz aller äußeren Pracht, in spezieller Weise nur dürftig bekleidet waren: An Verstand und mit einer Vorstellung von Demokratie und Menschenrechten.

Der Ort des Geschehens, direkt am Gestade eines Fast-Binnenmeeres gelegen, war passend: Einen besseren Hafen hätte kein Narrenschiff für die Versammlung von Narren finden können, die sich – zumindest zweitweise – unter Händels „Feuerwerksmusik“ ihrer Lust der Selbstbewunderung und Selbsterhebung hingeben konnten.

Da waren sie nun, die unmittelbaren Akteure und Mitwirkenden, die einer religiösen Eheschließung eines „Fürsten aus Gottes Gnaden“ (1) und mit dem „Segen und den Glückwünschen Roms“ beiwohnten und dazu – als hätten sie ein schlechtes Gewissen – die ganze Heiligkeit des schönen Scheins, mit einem Zuckerguss von Frömmigkeit übergossen. Zu diesem Zwecke war eigens ein leibhaftiger Erzbischof, der zugleich „Kaplan der Bruderschaft der Büßer“ und „Großprior der Statthalterei Monaco des Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem“ ist. Dieser Erzbischof, Büßer und „Ritter vom Heiligen Grab“ durfte zumindest für kurze Zeit die Aufmerksamkeit der Narrenversammlung auf sich ziehen, bevor der Bräutigam, ausgeschmückt mit einer weißen Uniform, ähnlich der eines Donaudampfschifffahrtskapitäns, samt Gattin diese wieder übernahm.

Es war auffällig: Jener Gott, dessen Segen der Erzbischof auf das Brautpaar herabgerufen hatte, muss wohl ein inzwischen alt geworden und dadurch vergesslicher gewesen sein. Er hat wohl die ihm und seinem Sohn in der Bibel zugeschriebenen Worte vergessen, denn sonst wäre er – anbetracht der heuchlerischen Frömmelei der Narren - im Zorn in einem zerstörenden Feuerball herabgestiegen. Aber - außer einem Feuerwerk war nichts dergleichen zu sehen.

Da waren auch noch jene aus dem weltweiten Showgeschäft der Mode, des Films und des „Sports“, die ein öffentliches Spektakel von Berufs wegen am besten beherrschen. Doch hier traten sie fast zurück, gemessen an dem, was sonst auf dem Narrenschiff zu sehen war.

Aber alle, samt den hier gar nicht erwähnten Narren, waren nur eine vergleichweise kleine Gemeinde, die sich als mehr oder weniger gemeingefährliche oder nur gefährdete Narren versammelt hatten. An Anzahl wirklich bedeutend und daher Furcht erregend war und ist die hundertfache Millionenanzahl von zufriedenen Sklaven, die sich kritiklos einer Bewunderung, ja Anbetung solcher Art von versammelten Narren hingeben – gleich in welchen Land sie sich zeigen. Sie frönen ihrer Leidenschaft vor ihrem Fernseher, Radio oder direkt am Ort des Spektakels, wenn sie dort denn einen Platz hatten ergattern können.

An all diesen zufriedenen Sklaven sind die aus der „Zeit der Aufklärung“ gewonnenen Erkenntnisse spurlos vorübergegangen. Sie wurden ihnen meist nicht einmal nicht gelehrt. So wurden die Kämpfe und Schrecken jener, die für ihr Land ihr Leben für Demokratie und Freiheit hingegeben hatten, nie Gegenstand ihrer Welt- und Wertevorstellung.

Sie haben zudem in der mentalen und sonstigen Sattheit ihres Lebens vergessen oder es nie begriffen oder begreifen wollten: Dass die längst toten Verteidiger der Freiheit genau gegen jene despotische Vorfahren ihre Kämpfe geführt haben, deren Nachfahren sie - als noch heute sichtbaren Narren – nunmehr als zufriedene Sklaven bewundern oder anbeten.

Die zufriedenen und zugleich freiwilligen Sklaven wollen auch gar nicht mit der Tatsache konfrontiert werden, dass - während dessen sie sich ihrer Leidenschaft der Bewunderung und Anbetung von Narren hingeben - immer noch Menschen, die nicht mehr länger weder zufriedene noch unzufrieden Sklaven sein wollen, gegen despotische, in ihre Herrenmenschenideen verliebte Narren der vorbeschriebenen Art, für ihre Freiheit kämpfen müssen, auch unter Einsatz ihres Lebens.

Ist solch freiwilliges Sklaventum unvermeidbar? Keineswegs. Die zufriedenen Sklaven müssten nur ihren Verstand nutzen und diesen gefährlichen Narren ein deutliches „Nein, wir sind das Volk!“ zurufen. Hierzu bedarf es gewiss keines besonders scharfen Verstandes, denn: Den Besitz seiner Selbst kann jeder erkennen und weiter daraus auch seine Selbst-Bestimmtheit und –Verantwortung und seine Elementar-Rechte und –Pflichten.

Aber daran hindert sie ihre Anhänglichkeit an das, wenn auch oft nur schmale Wohlleben, dessen Gestaltung sie nicht selbstbestimmt und so in eigener Verantwortung übernehmen wollen. Bereits Immanuel Kant hatte zutreffend festgestellt:

„Es ist so bequem, unmündig zu sein.“ (2)

Ja – und vor allem so verführerisch. Kant hatte 1784 weiter ausgeführt:

„Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten.

Er hat sie sogar liebgewonnen und ist vorderhand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ.“

Man kann Kant in allen Feststellungen zustimmen, nur in letzterer nicht, denn: Jene Sklaven, von denen hier die Rede ist, sind – soweit sie in Staaten leben, die eine freie Meinungsäußerung gewähren - freiwillige Sklaven. Sie könnten sich aus ihrer selbst gewählten Sklavenstellung leicht befreien, wenn sie es nur wollten.

 

Aber da sind noch zwei weitere Arten von Narren zu nennen.

Es sind erstens jene, welche sich in ihrer Heimat als Politiker „Demokraten“ nennen, sich aber – einmal im Narrenschiff angelangt – bedeutungslüstern oder devot und immer mit strahlendem Lächeln in die Reihe deren einpassten, die von „Natur aus“ alles andere als Demokraten sind und auch nicht sein wollen, denn: Demokratie braucht keine Fürsten und anderen imaginären, sogenannten „Adel“, sondern nur Demokraten, die sich ihrer Selbst-Bestimmtheit und Verantwortung bewusst sind. Die entsprechenden Erkenntnisse beispielsweise eines Hermann Otto Solms (3) und einer Jutta Ditfurth (4) sind ihnen verborgen geblieben.

Jene Politiker, welche mit ihrer Anwesenheit stolz das Narrenschiff schmückten, tragen zuhause zwar eine sehr große Fahne vor sich her, auf der die Begriffe „Demokratie“ und „Menschenrechte“ zu lesen sind, die aber in Wahrheit nur dem Zwecke dient, die noch größere Missachtung der genannten Begriffe notdürftig zu verdecken.

Und so fragt sich manch ein deutscher Beobachter, was wohl der oberste Repräsentant Deutschlands nebst Gattin auf dem Narrenschiff zu suchen hat. Ein Präsident einer Republik (Art. 20 Abs. 1 GG), die ein „demokratischer und sozialer Bundesstaat“ sein will. Werden hier wieder die falschen Freunde - hier in Gestalt eines exotischen Alleinherrschers – „geehrt“ und keiner hat wieder etwas davon gewusst?

Dabei ist der Zwergstaat (2,02 km²), mit einer Einwohnerzahl wie das hessische Dietzenbach, doch ziemlich übersichtlich. Er wird beherrscht durch eine sogenannte „Konstitutionelle Erbmonarchie“, die ihrer Haupt-Geschäftsidee „Geldwäscheparadies“ erfolgreich nachkommt. Der von einem Alleinherrscher gelenkte Stadtstaat ist – wie der Vatikan - weder Mitglied der EU, noch des EWR (Europäischer Wirtschaftsraum), führt aber den Euro als Währung. Die Forderung nach Demokratie kann nicht Hinderungsgrund zum Beitritt in die EU gewesen sei, denn diese kam genauso wenig demokratisch zu Stande, wie der Zwergstaat selbst.

Man kann also auch als deutscher Politiker leicht erkennen, dass diese Enklave innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten im Wesentlichen nur eine Aufgabe hat: All das mehr oder weniger öffentlich zu erlauben, was bei den EU-Mitgliedsstaaten verboten ist. Vielleicht war dies für den deutschen Bundespräsidenten Grund genug, sich in die Schar der Narren einzureihen.

 

Zweitens sind auch jene Narren zu erwähnen, welche solche Spektakel öffentlich mit allen Medien verbreiten, um so die Sucht der zufriedenen Sklaven nach Sensation und märchenhaften Bildern zu befriedigen. Dazu gehören auch die im Auftrage des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens agierenden BerichterstatterInnen, „Adelsexperten“ und „Adelsexpertinnen“. Diese sondern dabei zum Teil ein Untertanengeistgerede ab, ein unkritisches Gesäusel, kurz einen derartigen Schmarrn, dass es dem Demokraten – sofern er sich freiwillig die Qual des Zuschauens ganz oder teilweise angetan hat - die Nackenhaare kräuselt oder zumindest die Fußnägel aufrollt. Nicht anders war es auch lange vor dem 02.07.2011 und auch danach. Diese speziellen Narren werden sich so schnell nicht einem anderen Thema hingeben wollen – bis zum nächsten Narrenspektakel.

Da wundert es einen Demokraten auch nicht mehr, dass sich der öffentlich-rechtliche Deutschlandfunk des in England ansässigen Korrespondenten Jürgen Krönig bedient, der – am 01.05.2011 anlässlich einer Hochzeit bei „Königs“ - einen Kommentar mit dem Titel „Ein Hoch auf die Monarchie“ den staunenden Zuhörern präsentieren durfte. Frau Barbara Roth, Mitarbeiterin beim DLF findet – trotz Protests - dies sei nicht zu beanstanden und eine Verhöhnung des eigens geschützten Art. 20 Abs. 1 GG sieht sie auch nicht.

Allerdings: Herr Jürgen Krönig scheint für die Bewunderung des Irrealen besonders prädestiniert, hatte er sich doch bereits vor längerer Zeit ernsthaft mit den sogenannten „Kornkreisen“ und deren außerirdischen Herkunft befasst.

 

© 2011, Bert Steffens

_______

 

Anmerkungen und Quellen:

(1) „Fürst von Gottes Gnaden“ – so wörtlich am 02.07.2011 Bernard César Barsi, Erzbischof von Monaco.

(2) Immanuel Kant, Berlinische Monatsschrift, Dezember-Heft 1784. S. 481-494, „BEANTWORTUNG DER FRAGE: WAS IST AUFKLÄRUNG ?“

(3) Dr. agr. Hermann Otto Solms, MdB (FDP), könnte sich – namensrechtlich korrekt – Dr. Hermann Otto Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich nennen, will es aber nicht.

(4) Jutta Ditfurth, Sozialwissenschaftlerin, könnte sich – namensrechtlich korrekt - Jutta Gerta Armgard von Ditfurth nennen, will es aber nicht.

Zusätzliche Informationen